In den Anfangsjahren der Söl´ring Foriining lag der Schwerpunkt der Arbeit in der Förderung und Erhaltung des Sylter Brauchtums und der sylterfriesischen Sprache - dem Söl´ring. Heute ist diese Aufgabenstellung aktuell wie nie. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts bangt man um den Fortbestand der Sprache. Gründerjahre, Weltkriege und der immer stärker zunehmender Tourismus führten dazu, dass auf Sylt hauptsächlich Deutsch gesprochen wurde. Nicht zuletzt dem Einsatz der Söl´ring Foriining ist es zu verdanken, dass die Sprache noch nicht in Vergessenheit geraten ist und heute wieder vermehrt gesprochen wird. Friesischunterricht in Kindergärten, Schulen und in Abendkursen, friesische Veröffentlichungen und Theaterstücke und regelmäßige Zusammenkünfte friesisch sprechender Menschen haben dazu beigetragen, dass ein neues Bewusstsein über die Bedeutung dieser einzigartigen Sprache geschaffen wurde. Söl'ring - die Inselsprache Friesisch ist eine bis heute lebendige Sprache des nordgermanischen Sprachenzweiges. Nordfriesisch wird in verschiedenen Dialekten gesprochen. Die erste friesische Einwanderungswelle besiedelte um 700 die Inseln. Aus ihren Stammsitzen (West- u. Ostfriesland) brachten sie ihre Sprache mit, Altfriesisch. Die Einwanderer der zweiten friesischen Besiedlung um 1100 sprachen bereits ein in seinen Eigenheiten ausgepägteres Altfriesisch. Die Insulaner nennen sich und ihre Sprache nach ihrem Inselnamen. Söl'ring hat sich durch einige Lautentwicklungen besonders weit von den anderen nordfriesischen Dialekten entfernt. Spuren hinterließ auch die dänische Herrschaft (1326 - 1864 ). Ähnlichkeiten mit der englischen Sprache gehen zurück auf die gemeinsame Wurzel im Nordseegermanisch und auf Lehnwörter, die in der Wikingerzeit ins Englische aufgenommen wurden. 12.11.2006: „Ernsthafte und liebevolle Anstrengung“ Neues Sölring Uurterbok vorgestellt 
Vor 97 Jahren hatte Boy Peter Möller im Vorwort zu seinem Wörterbuch der Sylter Sprache deren Untergang vorausgesagt, würden nicht ernsthafte und liebevolle Anstrengungen unternommen, um sie zu retten. Seither ist die Sprache keineswegs untergegangen. Dennoch sah Willy Schroeder die Entwicklung der sylterfriesischen Sprache skeptisch, im Rahmen seiner kleinen Ansprache zur Buchvorstellung erinnerte er sich, sehr selten auf seinem Schulweg Deutsch sprechende Menschen getroffen zu haben. Noch seltener träfe er aber heute Sölring sprechende Menschen in seinem Heimatdorf Morsum. Ein Wörterbuch kann eine Sprache nicht retten, betonte Birgit Kellner, die die Arbeit an dem Buch wissenschaftlich betreut hat. Anlässlich der Buchvorstellung erinnerte sie sich an vier Jahre entspannter gemeinsamer Arbeit mit der Arbeitsgruppe muttersprachlicher Sylter: Brunhilde Hagge, Carmen Müller-Matzen und Willy Schroeder. Die Arbeit an dem Buch habe ihr Spaß gemacht, natürlich nicht immer, aber sie denke gerne an diese Zeit zurück und hoffe, dass in 30 bis 50 Jahren dieses Buch veraltet sei und ein neues mit wiederum aktualisiertem Wortschatz auf den Markt komme. Ausdrücklich wies sie darauf hin, dass dieses Buch ein Gebrauchswörterbuch ist und äußerte die Hoffnung, es möge vielen Menschen die Anwendung der sylterfriesischen Sprache näher bringen. Den Anstoß zu dem Buch gab Ommo Wilts, seinerzeit Wissenschaftler an der Wörterbuchstelle der Christian-Albrechts-Universität Kiel. Transportiert hat dieses Projekt Peter Müller während seiner einjährigen Amtszeit als Vorsitzender der Sölring Foriining. Über den Friesenrat konnten Bundesmittel eingeworben werden, mit denen Personal- und Sachkosten haben finanziert werden können. Der Einladung der Sölring Foriining zur Feierstunde im Sylter Heimatmuseum waren zahlreiche Vertreter friesischer Verbände und Sprachvermittler gefolgt. Prof. Jarich Hoekstra von der Wörterbuchstelle der Christian-Albrechts-Universität Kiel, in dessen Institut das Buch entstand, umriss kurz die Vorzüge dieser Publikation: sie übersetzt die Begriffe vom Deutschen ins Sölring und vom Sölring ins Deutsche. Somit kann man für gesuchte Begriffe auch Synonyme finden. Und der Wortschatz ist tagesaktuell. „Damit haben die Sylter die Nase vorn in Nordfriesland.“ Und doch sei dieses Buch nur die Spitze des Eisberges. Die Wörterbuchstelle bereitet die Digitalisierung aller friesischen Literatur und Wortlisten vor, schon im nächsten Jahr soll alles ins Internet gestellt werden. Sölring UurterbokNach alten und neuen Quellen zusammengestellt von Birgit Kellner, unter Mitarbeit von Brunhilde Hagge, Willi Schröder und Carmen Müller-Matzen. Herausgegeben von der Nordfriesischen Wörterbuchstelle der Christian-Albrechts-Universität Kiel in Zusammenarbeit mit der Sölring Foriining e.V. Keitum/Sylt ISBN 3-925735-11, € 29,-, erhältlich im Sylter Heimatmuseum, Am Kliff 19 „Kurschatten“ und „Rentenloch“ auf FriesischNeues Wörterbuch seit Ende Oktober im Handel Ende Oktober wird ein ungewöhnliches Buch auf dem Sylter Buchmarkt erscheinen; ein neues, dickes, leuchtendblau gebundenes Wörterbuch zur sylterfriesischen Sprache. In den letzten nahezu einhundert Jahren hat das „Sölring Uurterbok“ von Boy Peter Möller gute Dienste geleistet. Es behält neben diesem neuen Wörterbuch auf jeden Fall seine Bedeutung, weil es für die darin erfassten friesischen Wörter auch die Wortherkunft und sprachlichen Querverbindungen, etwa zu skandinavischen Sprachen, herstellt. Da aber Sölring zunehmend von Nicht-Muttersprachlern verwendet wird, wurde der Wunsch nach einem Lexikon laut, das nicht nur „sölring - deutsch“ bereithält, sondern auch „deutsch - sölring“. Sucht ein Friesisch-Anfänger beispielsweise das sylterfriesische Wort für „Kirche“, sucht er bei „K“, allenfalls noch unter „C“, aber kaum unter „S“. Dort aber fände er das Gesuchte, denn das Sylter Wort für „Kirche“ ist „Serk“. In Zukunft nimmt er das neue Wörterbuch zur hand, schlägt unter „Kirche“ nach, findet „Serk“ und blättert dann noch einmal bei B. P. Möller, um dort zu erfahren warum „Kirche“ „Serk“ heißt und nicht anders. Wenn man Sölring als Gebrauchssprache im Alltag erhalten will, müssen außerdem Wörter vorgegeben werden, die in unserem heutigen Sprachgebrauch unabdingbar sind, als da sind vor allem Begriffe aus Medien, Technik und Politik. Mit dem erarbeiteten und im neuen Lexikon zur Verfügung gestellten Wortschatz müsste es möglich sein, zumindest für ein bis zwei Generationen ein alltagstaugliches Wörterbuch vorzuhalten. Etliche Jahre Arbeit stecken in dem Buch: Dr. Birgit Kellner von der Wörterbuchstele der Christian-Albrechts-Universität Kiel hat als Sprachwissenschaftlerin und Lexikografin die inhaltliche Leitung übernommen. Sie hat als Basis der gemeinsamen Arbeit die zeitgenössischen Medien systematisch nach gebräuchlichen Begriffen durchforstet. Ihr zur Seite standen Brunhilde Hagge, Willi Schröder und Carmen Müller-Matzen als Sprachpaten, die als muttersprachliche Sylter auf Grund dieser Wortlisten und mit Hilfe ihrer Erfahrungen aus der täglichen Sprach-Praxis zugearbeitet haben. Die Herausgabe dieses Wörterbuches wurde ermöglicht durch die finanzielle Unterstützung des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien in Berlin. Das Buch ist ab 30. Oktober im Buchshop des Sylter Heimatmuseums erhältlich. Sölring UurterbokNach alten und neuen Quellen zusammengestellt von Birgit Kellner, unter Mitarbeit von Brunhilde Hagge, Willi Schröder und Carmen Müller-Matzen. Herausgegeben von der Nordfriesischen Wörterbuchstelle der Christian-Albrechts-Universität Kiel in Zusammenarbeit mit der Sölring Foriining e.V. Keitum/Sylt ISBN 3-925735-11, € 29,- 
20.09.2006: „Das war doch ein Klacks“Matthäus, Markus, Lukas und Johannes auf Sölring Seit ein paar Wochen ist ein wahrhaft ungewöhnliches Buch auf dem Markt. Es beinhaltet die vier Evangelien der Bibel in sylterfriesischer Sprache und wird somit – neben dem schon existierenden friesischen Gesangbuch - Grundlage künftiger friesischer Gottesdienste. Die Geschichte dieses Buches reicht bis in das 19. Jh. zurück. Schon Peter Michael Clemens aus Morsum (1804-1870), ein Zeitgenosse Christian Peter Hansens, hatte während seiner Amtszeit als Geistlicher in Schleswig die vier Evangelien ins Sylterfriesische übersetzt. Eine Woche nach dem letzten Federstrich an dieser wahrhaft umfangreichen Arbeit starb er, die Evangelien gerieten in Vergessenheit und wurden erst in den 1950er Jahren wiederentdeckt. Das Friesisch dieser Übersetzung ist inzwischen veraltet, wohl aber eine Fundgrube für die Wissenschaft. Die Wörterbuchstelle wird die Clemens´schen Texte in diesem Sinne demnächst publizieren. Um die vier Evangelien aber auch für den heutigen Gebrauch in sylterfriesischer Sprache verwenden zu können, haben der Westerländer Johann Frank und der Rantumer Erk-Uwe Schrahé in Rekordzeit die Texte aufgearbeitet. Jon Hardon Hansen als dem Friesischen sehr verbundener Pastor der Dänischen Gemeinde auf Sylt zeigte sich erfreut, dass das Buch letztens pünktlich zum „Sölring Hööv“, zum friesischen Gottesdienst erschien. Er hatte schließlich den Anstoß dazu gegeben, indem er Johann Frank fragte, „ob er denn nicht ´mal eben die vier Evangelien übersetzen könnte“ und seinerseits verschiedene Geldgeber für die Finanzierung des Druckes gewinnen konnte. Sylterfriesischen Gottesdienste gibt es seit der Mitte der 90er Jahre. Seither haben er und seine Mitstreiter in der Vergangenheit immer mit Zetteln, Kopien und eigens angefertigten Übersetzungen arbeiten müssen. Traditionell sind sakrale Texte in friesischer Sprache nicht, denn Sölring war eine reine Sprechsprache, Kirche und Staat hingegen verwendeten nur Deutsch. Johann Frank hatte sich Hansens Anliegen durch den Kopf gehen lassen und beschloss: „Na, dann fange ich ´mal an“. Bibelfest sei er nicht, betont der ehem. Westerländer Stadtrat, aber schließlich habe er sich in die Materie eingelesen. Schwieriger war es, für alle Zusammenhänge auch immer das richtige friesische Vokabular zu finden, wo er selbst doch auch erst seit 1990 seine Muttersprache schreibt. Lange scheint er sich mit der Wortfindung nicht aufgehalten zu haben, den im November angefangen, konnte er Hansen zu Petritag die fertige Übersetzung überreichen. ½ Million Zeichen in einem Vierteljahr zu verarbeiten, war für ihn „doch ein Klacks“. Mit dem „Klacks“ befasste sich nun auch Erk-Uwe Schrahé, korrigierte hier, diskutierte da, alles auf der Grundlage des Wörterbuches von Boy Peter Möller. |